Das Glück der Natur und das Wesen des Glücks

Es ist nicht einfach, auf Mallorca einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Zunächst einmal ist diese Insel ein relativ kleines Stück Land, weshalb die landwirtschaftlichen Flächen kleiner sind als auf dem Festland. Kleine Flächen bedeuten eine geringere Produktmenge, was wiederum ein begrenztes Einkommen bedeutet.

Wie kann man auf einem relativ kleinen Stück Land einen maximalen Ertrag erzielen? Die Antwort ist relativ einfach: Prostitution. In landwirtschaftlicher Hinsicht bedeutet das: Ignorieren Sie alles, was Ihnen Ihr Vater oder vielmehr Ihre Großväter beigebracht haben, und besprühen Sie Ihr Land, Ihren Boden, Ihre Pflanzen, Ihre Vögel, Ihre Insekten und alles, was sich auf Ihrem Land befindet, mit Düngemitteln, Pestiziden, Herbiziden und Chemikalien mit unaussprechlichen Namen und aggressiven Eigenschaften. Bingo.

Ihr Buchhalter wird stolz sein. Ihr Bankberater wird befriedigt sein. Ihr Großhändler wird zufrieden sein. Ihr Autohändler wird sich glücklich schätzen.

Aber Moment mal. Werden Ihre Kinder glücklich sein, oder, was vielleicht noch wichtiger ist, werden Ihre Enkelkinder glücklich sein? Oder hat all die Chemie einen Preis?

Sie gehen über Ihr Land und stellen fest, dass Ihre Vögel nicht glücklich sind. Sie sind nicht einmal mehr da; verschwunden. Ihre Pflanzen sehen nicht glücklich aus. Es gibt keine Blumen mehr. Die Schmetterlinge sind auch verschwunden. Es gibt keine Marienkäfer mehr. Der Boden sieht traurig aus. Sie beginnen zu vermuten, dass, wenn das, was Sie sehen können, nicht glücklich zu sein scheint, wie sieht es dann mit all dem aus, was Sie nicht sehen können, unter der Erdoberfläche? Wie sieht es mit den Mykorrhizen aus? Wie sieht es mit den Fungi aus? Wie sieht es mit den Ameisen und Käfern und Insekten und Krabbeltieren aus?

Und plötzlich dämmert es Ihnen. Wenn Sie keine Vögel, Schmetterlinge, Marienkäfer oder Blumen sehen können, wie können Sie dann glücklich sein? Wenn die Natur traurig zu sein scheint, wie können dann die Früchte, die Sie anzubauen versuchen, glücklich oder gesund oder nahrhaft sein? Wie kann ich glücklich sein, wenn meine Enkelkinder unglücklich über das sind, was sie erben werden?

Es ist sehr leicht, sich gegen all das zu entscheiden. Wenn die Natur nicht glücklich ist, werden auch die Produkte, die wir anbauen, nicht glücklich sein, und was bringt es dann, sie anzubauen? 

Vor 20 Jahren haben wir beschlossen, unsere Produkte im Einklang mit der Natur anzubauen. Vor 15 Jahren haben wir beschlossen, unser Land nicht mehr zu pflügen. Von Beginn unserer Aktivitäten in Son Alegre an haben wir beschlossen, dass uns unser eigenes Glück und das unserer Enkelkinder wichtiger ist als das Glück unseres Buchhalters, unseres Bankdirektors oder unseres Autoverkäufers.

Seitdem sind unsere Vögel zurückgekommen, unsere Schmetterlinge sind zurückgekehrt, unsere Blumen blühen wieder, unsere Ameisen sind fleißig wie eh und je, unsere Bienen summen emsig, unsere Mykorrhizen breiten sich aus und unsere Weintrauben, Johannisbrotbäume und Oliven gedeihen prächtig.

Irgendwie mögen wir Prostitution sowieso nicht.

Wie sich herausstellt, sind auch unsere Kunden glücklich, so scheint es zumindest, und kommen Jahr für Jahr zufrieden wieder.

Vielleicht machen wir doch etwas richtig.

Danke, Natur, dass du uns gezeigt hast, was das Beste ist.

Alle Fotos im heutigen Blogeintrag wurden von John Hinde aufgenommen (Ruhe in Frieden).

Unser Biowein steht und fällt mit der Erde, auf der unsere Trauben angebaut werden.

Wenn man von Wein spricht, ist man geneigt, über das Bouquet, die Nase, die Farbe, den Alkoholgehalt, die festliche Stimmung, die er hervorruft, all das und mehr, zu reden. Aber das alles ist nicht wirklich wichtig. Entscheidend dafür, dass der Wein all das wird, sind der Boden, auf dem die Trauben wachsen, und das Klima und das Millieu, in der sie angebaut werden.

Wie Sie vielleicht wissen, bewirtschaften wir unser Land und das Son Alegre Weingut unter recht strengen ökologischen und biodynamischen Bedingungen. Es ist unsere Leidenschaft, Hand in Hand mit der Natur zu arbeiten, mit den Elementen, mit dem Einfluss des Mondes und mit dem Nährboden, auf dem wir arbeiten, oder besser gesagt, mit dem Erdreich, mit dem wir auf diesem unserem Land gesegnet sind.

Warum ist der Boden so wichtig? Ist es nicht so, dass Dinge, die wir nicht sehen können, gar nicht so wichtig sein können? Das Nicht-Sichtbare kann doch kaum von großer Bedeutung sein, oder?

Tatsächlich ist unser Boden ein Ökosystem, das so unglaublich komplex ist, dass es die Grenzen unserer Vorstellungskraft sprengt. Wir beziehen 99 % unserer Lebensmittel aus diesem Ökosystem und wissen doch kaum wirklich etwas darüber. Für unsere Trauben und den Wein, den wir daraus kultivieren, sind wir zwar auf ihn angewiesen, aber wir wissen ihn, unseren Boden, in der Regel kaum zu schätzen.

Ein Quadratmeter ungestörtes Erdreich hier auf Mallorca beherbergt bis zu mehreren hunderttausend Kleinstlebewesen, vielleicht sogar noch mehr. Etwa 90 % der Arten, zu denen sie gehören, haben bisher noch nicht einmal einen Namen. Ein Gramm dieses Bodens zum Beispiel – weniger als ein Teelöffel – enthält etwa einen Kilometer Pilzfäden.

Aber noch faszinierender als die Vielfalt und der Reichtum des Nährbodens ist die Frage, was dieser Boden eigentlich ist. Die meisten Menschen sehen ihn als eine triste Masse aus zerkleinertem Gestein und abgestorbenen Pflanzen. Aber es erweist sich, dass der Boden eine biologische Struktur ist, die von Lebewesen gestaltet wird, um ihr Überleben zu sichern, wie etwa ein Wespennest oder ein Biberdamm. Mikroben stellen aus Kohlenstoff eine Art Kohlenstoffzement her, mit dem sie Mineralpartikel zusammenkleben und so Poren und Gänge schaffen, durch die Wasser, Sauerstoff und Nährstoffe fließen. Die winzigen Klumpen, die sie bilden, werden zu den Bauelementen, aus denen die Kleinstlebewesen im Boden weitverzweigte Labyrinthe erschaffen.

Vielleicht können Sie jetzt verstehen, weshalb wir auf Son Alegre unser Land nicht umpflügen. Würden wir unseren Boden mit schweren Maschinen bearbeiten und so all das strapazieren und umgraben, was unsere winzigen Mitarbeiter unter der Erde geschaffen haben, würden wir den Boden und seine komplizierte Zusammensetzung einfach zerstören – natürlich zum Nachteil der Pflanzen, die darauf wachsen, und so auch zum Nachteil der Trauben, aus denen der Biowein mit dem Son Alegre-Etikett hergestellt wird.

Für uns war es nie eine Frage des Pflügens oder Nicht-Pflügens. Wir glaubten schon immer, zu wissen, dass sich unter der Oberfläche ein aktiver Organismus aus Leben und natürlichen Nährstoffen befindet, der in Ruhe gelassen werden möchte, um seine Arbeit gewissenhaft tun zu können: Ameisen, Würmer, Insekten, Springschwänze, Milben, Amöben, Pilze, Mykorrhiza und andere kleine und kleinste Lebewesen. Wir wissen, dass wir jedes Mal, wenn wir den Boden mit dem Pflug aufwirbeln, die unsichtbare Struktur unter der Oberfläche zerstören und vernichten, eine Struktur, die wir brauchten, um unser Land, unsere Pflanzen und unsere Trauben zu ernähren.

Kurz gesagt: Sie werden auf ganz Mallorca schwerlich einen ökologischeren Wein als unseren Son Alegre-Wein finden.

Salut.