Gute Nachrichten für Santanyí

Son Alegre, DO Pla i Llevant

Manchmal kann Bürokratie ganz schön verrückt sein, oder?

Als die Winzer der zentralen Region von Mallorca, ein Gebiet, das als Pla bekannt ist, im Jahr 1999 beschlossen, ihre eigene DO (Denominación de Origen) zu gründen, gab es nur Winzer in Petra, Sineu, Algaïda, Ariany, Maria de la Salut, Sant Joan, Santa Margalida und Muro, die Reben angebaut, Trauben ernteten und sich mit der Kunst der Weinherstellung beschäftigten. Deshalb wurde eine Einladung an ihre Kollegen im Osten und Süden der Insel ausgesprochen, und somit wurden Capdepera, Artà, Llucmajor, Campos, Porreres, Manacor, Montuïri und Felanitx in die neuen DOP (geschützte Ursprungsbezeichnung) oder kurzgenannt DO Pla i Llevant, einbezogen. Irgendwie gelang es dabei, die Region von Santanyí wegzulassen oder zu vergessen, obwohl diese doch ganz eindeutig zur Region der Llevant gehört, wahrscheinlich einfach deshalb, weil seit 1895 niemand in dieser Gegend die Herausforderung der Herstellung von Wein auf sich genommen hatte. Seit dem Jahrtausendwende wurden in der DO Pla i Llevant, wie sie formell und ganz offiziell in gutem Katalanisch genannt wird, Weine gekeltert und zwar recht erfolgreich, ohne dass weiter ein Gedanke an die Menschen oder an die Region von Santanyí verschwendet wurde. Hmm.

Dinge begann sich ab 2002 zu ändern, aber wirklich nur sehr langsam. Ein junger Mann aus Sanyanyí, Enkel und Urenkel von Bauern aus Calonge (Santanyí), erwarb ein beträchtliches Stück Land, etwa 51 Hektar, pflanzte dort mehr als 1000 Olivenbäume, säte viel autochthonen Xeixa Weizen und wandelte ein 5 ha Stück des neu erworbenen Landguts in das um, was es schon vor hundert Jahren gewesen war, eine Vinya (Weingut). Rund 12.000 Rebstöcke wurden mit viel Liebe in den Boden gesetzt, vorwiegend Trauben der Sorten Chardonnay und Malvasía, sowie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah.

Son Alegre, DO Pla i Llevant 1

Aber man kann nicht einfach ein Stück Land kaufen und ein paar Reben pflanzen und dann erwarten, in eine geschützte Ursprungsbezeichnung aufgenommen zu werden. Das kann man nur für ein schutzfähiges Produkt beantragen. Die Weinherstellung ist aber eine sehr langsame Angelegenheit. Es dauert etwa drei Jahre, ehe man die ersten Trauben sieht und ein oder zwei weitere Jahre, ehe man eine einigermaßen ordentliche Ernte haben kann. Im Fall von Son Alegre erfolgte die erste richtige Weinlese im Jahr 2008 und der erste Wein wurde im Jahr 2009 in Flaschen abgefüllt. Nun sind wir in unserem sechsten Jahr und deshalb wurde im Sommer 2015 ein Antrag bei der DO Pla i Llevant eingereicht, bitte als zur Region Pla i Llevant gehörig anerkannt zu werden.

Aber bitte nicht ganz so schnell. Alles, was heutzutage in Europa passiert, muß zunächst vor den kritischen Augen der Bürokraten in Brüssel Revue passieren. Und ehe eine Eingabe an die Europäische Kommission gerichtet werden kann, müssen erst die hiesigen Behörden ihre Zustimmung geben. Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Consejo Regulador de la Denominación de Origen Pla i Llevant den von Son Alegre eingereichten Antrag befürwortet und an die entsprechenden mallorquinischen Behörden weitergeleitet hat. Am 11. Januar 2016 veröffentlichte das BOIB (Boletín Oficial de las Islas Balears) eine dementsprechende Entscheidung des Consell Insular de Mallorca und dessen ehrenwerter Dirección General de Agricultura y Ganadería, die Region Santanyí nachträglich in die oben genannte DO Pla i Llevant aufzunehmen.

Aber damit sind wir immer noch nicht ganz so weit, nein, bitte.

Jede Veröffentlichung im BOIB, dem amtlichen Nachrichtenbulletin der viel gepriesenen Govern de les Illes Balears, kann erst dann in Kraft treten, wenn niemand einen Einspruch gegen die neue Regel oder Regulierung einlegt. Normalerweise ist eine Einspruchsfrist von zwei Monaten für einen solchen Fall vorgesehen; wir glauben, dass gestern, am 11. März, das entsprechende Datum war. Soweit wir wissen, wurde von niemandem eine Beschwerde eingelegt. Das bedeutet, dass das ganze Paket der Antragstellung nun auf dem Weg nach Brüssel ist, oder in absehbarer Zeit sein dürfte. Mit etwas Glück könnten wir schließlich in einem Jahr, oder vielleicht in zwei, das Gütesiegel der Ursprungsbezeichnung, oder wie es auf Katalanisch heisst, die Denominación de Origen des Pla i Llevant, verwenden dürfen.

Und so wird es aussehen, wenn wir es endlich bekommen sollten:

logo-pla-i-llevant

Geduld ist eine hohe Kunst, ganz so, wie die Weinherstellung eine hohe Kunst ist.

Prost.

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